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Beitrag: Energiewenden gestern und heute: Aus der Geschichte für die Zukunft lernen

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21. Oktober 2017

Energiewenden gestern und heute: Aus der Geschichte für die Zukunft lernen

Von der “Energiewende” sprechen wir aktuell alle. Dabei vergessen wir oft: Es ist nicht die erste große Energiewende, die wir erleben. In der Regel ändern sich die Spielregeln immer dann, wenn eine wirklich bahnbrechende Erfindung Fuß fasst – man denke an das Wasserrad, die Dampfmaschine, die Kernenergie. Den (Miss-)Erfolg vorangegangener Energiewenden zeigt jetzt die Ausstellung “Energiewenden – Wendezeiten” im Industriemuseum Zinkfabrik Altenberg in Oberhausen. Anlass ist die Schließung der letzten Steinkohlenzeche Deutschlands im Jahr 2018. Dabei hat die Ausstellung nicht nur die Vergangenheit, sondern auch die Zukunft im Blick.

Die Eröffnung begann mit einer Einlage der „Physikanten“. Das sind Wissenschaftler und Schauspieler, die mit Physik-Darbietungen ihre Zuschauer begeistern. In Oberhausen starteten sie mit einem Experiment, welches so fulminant wie erfolglos war. Schade eigentlich, wir alle im Publikum hätten gerne gesehen, wie das mit heißem Dampf gefüllt Metallfass zerknautschte, als der Redner Wasser darüber schüttete. Ein kleines Loch im Fass hat uns aber den Spaß verdorben.

Gute und böse Energie – so einfach ist es nicht

Nicht jedes Experiment gelingt direkt – der Gedanke zog  sich auch durch die Reden des Abends, etwa von NRW-Wirtschaftsstaatssekretär Christoph Dammermann oder von Stephan Muschick: Auch für eine erfolgreiche Energiewende braucht es manchmal mehrere Versuche, so der Geschäftsführer der innogy Stiftung. Ein gutes Beispiel dafür ist Nordrhein-Westfalens eigene Energielandschaft: Wir wollten hier, das haben viele längst vergessen, schon einmal weg von der Kohle, weg von fossilen Brennstoffen. Als erfolgversprechende Technologie galt damals die Kernenergie. Heute, 50 Jahre später und nach Fukushima, ist die gesellschaftliche Akzeptanz gleich null.

 

 

Die Ausstellung “Energiewenden – Wendezeiten” macht komplexe Entwicklungen anschaulich und zeigt die Energiewenden der letzten Jahrhunderte. Von der Mühlentechnik zur Dampftechnik, von der Kernenergie zu den Erneuerbaren. Die Reise ist noch nicht zu Ende – sie hat gerade erst begonnen, vieles läuft parallel, und welche Wege wir schlussendlich nehmen werden, das ist offen. So präsentiert die Ausstellung neben Vergangenheit und Gegenwart auch aktuelle Projekte in der “Zukunftswerkstatt” und sucht die Diskussion.

Die Besucher können in einem interaktiven Teil der Ausstellung selbst bestimmen, welche Art der Energieerzeugung sie für die zukunftsträchtigste halten. Dazu erhalten sie Argumente für und gegen diese oder jene Technologie an die Hand. Wer sich selbst einmal mit Pro und Contra beschäftigt hat, erkennt schnell, wie schwer es ist, die richtige Energiequelle der Zukunft zu wählen. Schwarz-Weiß-Malerei gilt nicht, denn auch die erneuerbaren Energien bieten nicht nur Vorteile. Gegen den Ausbau der Windparks regt sich Widerstand und die Erträge aus Sonne und Wind schwanken so stark, dass unser jetziges Energiesystem noch nicht allein auf diesen beiden Quellen basieren kann. 

Der Ausdruck „Energiewende“ ist geradezu verniedlichend

Die Förderung der Debatte um unsere Energie-Zukunft ist einer der Gründe, warum auch die innogy Stiftung diese Ausstellung unterstützt, wie Muschick in seiner Rede betonte. Er selbst findet den Ausdruck “Energiewende” angesichts der gesellschaftlichen Herausforderungen geradezu “verniedlichend”: Schließlich betreffen die Auswirkungen dieser Wende viel mehr Bereiche als nur die Energieversorgung selbst. Man denke an die massiven Veränderungen durch die Digitalisierung: SmartHome-Anwendungen sind hier erst der Anfang. Man denke an die soziale Gerechtigkeit, was die Verteilung von Kosten für den Umbau der Energiesysteme angeht. Oder aber auch an die künftigen Möglichkeiten, dass Menschen direkt untereinander Energie handeln („Peer-to-Peer“).  

Viele unterschiedliche Interessen kommen hier zusammen und müssen verhandelt werden, wenn diese Energiewende gelingen soll. Aber warum soll ich mich beteiligen? „Was ist drin für mich?“, stellte Muschick als provokante Frage, stellvertretend für uns alle, in den Raum. Diese Frage gilt es zu beantworten und wenn wir verstanden haben, dass unser Energiesystem ein Tragpfeiler der Gesellschaft sei, dann können wir das Experiment Energiewende erfolgreich gestalten. Dieses Verständnis zu stärken, auch dazu soll die Ausstellung beitragen. 

Und das Experimente gelingen können, zeigte das Team der Physikanten anschließend mit flüssiger Stickstoff. Auf -196 Grad heruntergekühlt, wurde der Stickstoff in eine Plastikflasche abgefüllt und in ein Fass gelegt. Dort heizte sich die Flasche langsam auf und der Stickstoff dehnte sich aus – auf das 600fache Volumen. Ein lauter Knall – eine Menge Energie wurde frei gesetzt. Experiment geglückt. Die Zuschauer applaudierten und durften anschließend als erste die Ausstellung besuchen.

„Energiewenden – Wendezeiten“ – kommen Sie vorbei!

Interesse geweckt? Dann kommen Sie nach Oberhausen: Bis zum 28.10.2018 können Sie die Ausstellung „Energiewenden – Wendezeiten“ noch besuchen.

Alle Fotos: LVR-Industriemuseum

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Kategorien: Bildung, Kultur und Soziale Innovation
Schlagwörter: Energiebildung, Energiepolitik, Energiewende, LVR Museum, Oberhausen, Ruhrgebiet und Stephan Muschick


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