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Beitrag: Das e:lab forscht an einem Bürgerenergierat für Dortmund

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10. Oktober 2017

Das e:lab forscht an einem Bürgerenergierat für Dortmund

Die Energiecafé-Abende im Dortmunder Bürgerlabor „e:lab“ entwickeln sich zur ersten Adresse im Ruhrgebiet für alle Belange „bürgerlicher“ Teilhabe an der Erzeugung und Nutzung klimaneutraler Energie, Wärme und Mobilität. Thema des zweiten Treffens mit feinen vegetarischen Snacks im Licht von 3D-Druckern rund um den großen Labortisch war die Frage, ob es nicht einen Bürgerenergierat braucht, der den Dortmunder Energiediskurs anregen, begleiten und befördern soll.

„Denn wenn es in Dortmund so weitergeht, werden vor allem bei der Wärmeerzeugung und dem Verkehr die lokalen Klimaziele nicht erreicht“, gab „e:lab“-Gründer Jürgen Bertling der Gesprächsrunde zum Start auf den Weg. Neben dem Tiny-House-Bau und der DIY-Lastenrad-Entwicklung sieht der Nachhaltigkeitsforscher den zukünftigen Bürgerenergierat als dritte Säule im Fundament des Bürgerlabors, das vom Fraunhofer-Institut „UMSICHT“ mit der „wert-voll ggmbh“ betrieben und von der innogy Stiftung finanziell gefördert wird.

Soviel vorweg: Wo Wissenschaftler forschen und entwickeln, würde ein Bürgerenergierat finden und vernetzen. Nämlich all jene Akteure, die bereits jetzt immer zahlreicher in den großen Städten der Republik auf neuen Wegen zur Klimaneutralität unterwegs sind.

„Die Verbraucher suchen nach neuen Werten“

Wie sich die Rolle von passiv konsumierenden Verbrauchern hin zu aktiv prosumierenden Erzeugern wandelt, verdeutlichte zunächst der „Speiseräume“-Autor Philipp Stierand in seinem Vortrag über die Ernährungsräte in Berlin. Dort hat es die „kommunale Ernährungspolitik“ in den Koalitionsvertrag der stadtregierenden Parteien geschafft. Für den studierten Raumplaner ein Zeichen der neuen Zeit: „Die Verbraucher suchen nach neuen Werten, machen einfach selber und werden durch die Ernährungsräte zu Bürgern.“ Das reicht von den „Food Councils“ in den USA über den Transition-Town-Aufbruch des Schotten Rob Hoskins bis zum urbanen Gärtnern im Gemeinschaftsgarten und der Lebensmitteltauschbörse in der Grünen Hauptstadt Essen als „Krautfunding“ der besonderen Sorte.

Zur Entscheidung, den Dortmunder Energie & Umwelt-Manager Kurt Pommerenke ins aktuelle Energiecafé zu bitten, muss man das „e:lab“ schlicht beglückwünschen. Tief im Thema verankert, hat der Wirtschaftsförderer nicht nur die Geburten sämtlicher Masterpläne zu Effizienz und Klimaschutz begleitet, die jemals das Licht Dortmunder PowerPoint-Foliensätze erblickt haben. Kurt Pommerenke weiß, welche Institutionen und Komplexe in seiner Stadt bereits heute mittels Kraft-Wärme-Kopplung energieautark sind und „dass klimaschützende Effizienz-Maßnahmen bis zu 1.000 neue Jobs pro Jahr schaffen“. Er weiß aber auch, dass so ein Bürgerenergierat ein Moderator sein muss, „der weiß, wo die Fördertöpfe stehen, der mit allen gut kann, der ‘raus muss in die Stadtteile und Schulen“. „Denn da“, so der Vollblutenergetiker Pommerenke, „muss man viel Power reinstecken, damit der Funke überspringt“.

 

„Bestens vernetzte Akteure, die alle Tricks kennen“, sieht auch der dritte Experte im e:lab-Energiecafé, Johannes Rupp vom Institut für Ökologische Wirtschaftsforschung (i|ö|w), auf der Besetzungsliste eines künftigen Bürgerenergierats. Johannes Rupp: „Energiewende geht nur gemeinschaftlich, wenn wir eine breite Masse brauchen, um unsere Klimaschutz-Ziele zu erreichen. Auch wenn der Bürgerenergie durch die aktuelle Gesetzgebung buchstäblich der Wind aus den Mühlen genommen wurde. Einer muss vorangehen. Wenn Stadt und Land das nicht wollen, müssen wir das tun.“ Zu Johannes Rupps Neun-Punkte-Plan (aus dem „Berliner Energie- und Klimaschutzprogramm 2030“) gehören die „Förderung klimaneutraler Lebensstile“ ebenso wie eine „Abwrackprämie für weiße Ware und die „vereinfachte Einspeisung für Kleinstprosumer in die Stromnetze“.

Nach dem Bürgerenergiegeladenen Abend in der Dortmunder DEZENTRALE sind wir gespannt, ob die Impulse ausgereicht haben, einen energischen Rat als Schaltstelle zwischen den neuen Energieakteuren zu etablieren. Ohne dass die Welt lediglich eine weitere um sich selbst rotierende Plauderrunde bekommt, wie Daniela Berglehn, Projektleiterin der innogy Stiftung, mahnte.

Wir sind – wie stets – gespannt und werden berichten.

Text und Fotos: Frank Vinken | dwb

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Kategorien: Soziale Innovation
Schlagwörter: Dortmund, e:lab und Ruhrgebiet


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Eine Reaktion

  • Lieber Frank,

    herzlichen Dank für Deine Eindrücke vom Abend.

    Wie geht es weiter? Wir haben bereits engagierte Energiewendeakteure für ein temporäres Arbeitsnetzwerk gewinnen können. Diese Personen fungieren zum Einen als Multiplikatoren tief in die zivilgesellschaftlichen Energiewende-Milieus hinein, zum Anderen agieren sie als Impulsgeber für die Entwicklung von Zielsetzung und praktischen Aufgabenstellungen eines möglichen Dortmunder Energierates in Bürgerhand.

    Die Überlegungen dieses Netzwerkes möchten wir im Rahmen weiterer Energiecafés an die breite Bürgerschaft zurückspielen und in Workshops praktisch diskutieren sowie weiterentwickeln. Damit wird eine gute Basis für einen über die gängigen „Plauderrundenformate“ hinausgehender Rat gelegt…

    Auf Bald
    das e:lab-Team

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