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4. Mai 2017

Anne-Marie Melster: Kunst trifft Klimawandel

Die Kuratorin Anne-Marie Melster engagiert sich mit ihrem Netzwerk ARTPORT seit Jahren für eine bessere Umwelt – und sieht Zeichen für ein globales Umdenken. Seit 2016 ist sie Mitglied in der Jury von VISIT. Über unser Kunststipendium hatten wir neulich schon mit Melster gesprochen – nun, in Teil zwei des Gesprächs, geht es um die Vernetzung von Kunst und Umweltschutz weltweit.

Frau Melster, Sie sind seit Jahren in der ganzen Welt unterwegs, um die Themen Kunst und Umweltschutz zu verbinden – unter anderem als Gründerin des Kuratorennetzwerks  „ARTPORT_making waves“. Wie kamen Sie zu dieser auf den ersten Blick ungewöhnlichen Idee?
ANNE-MARIE MELSTER: Ich bin seit 20 Jahren in der Zeitgenössischen Kunst daheim, mich früh mit einer Galerie und Kunstberatung selbständig gemacht und private Kunstsammlungen betreut. 2004 habe ich in New York die Schweizerin Corinne Erni kennengelernt, die spätere Mitbegründerin von ARTPORT. Wir wollten unsere Expertise in Kunst und Kultur mit etwas Sinnstiftendem verbinden. Natur und Umweltschutz war für uns beide immer ein großes Thema. Nach ausführlichen Gesprächen haben wir in New York und Valencia das Kuratorenkollektiv „ARTPORT_making waves“ gegründet, unter dem wir die Bereiche Kunst und Klimawandel zusammenführen wollten.

Und da gibt es offenbar Einiges zu tun …
Ja, unsere Projekte sind wirklich global: Zunächst haben wir unsere Kurzvideo-Reihe COOL STORIES FOR WHEN THE PLANETS GETS HOT kreiiert, ein alle zwei Jahre stattfindender Wettbewerb, dessen daraus resultierende Edition jeweils auf der gesamten Welt präsentiert wird. 2009 haben wir im Auftrag von verschiedenen UN-Organisationen eine Ausstellung zum Thema Frau und Klimawandel konzipiert: „(Re-)Cycles of Paradise“, die sowohl als Teil der UN-Klimakonferenz 2009 in Kopenhagen, als auch 2010 in Cancun gezeigt wurde und in Los Angeles gemeinsam mit Schweizer Regierungsorganisationen in der Galerie LACE einen Abschluss fand. Aktuell arbeiten wir in Indien an einem sogenannten Kunst-Inkubator-Projekt zum Thema Ernährung und Landwirtschaft, in dem wir unterschiedliche Disziplinen und Bevölkerungsgruppen vernetzen.

 

Wie weit sind Sie dabei?
Wir hoffen, im August damit zu starten. Wichtig ist uns vor allem der Austausch mit jungen Menschen, schließlich sind sie die Weltbewohner der Zukunft. Wir haben weltweit mit mehr als 60.000 Kindern und jungen Menschen aus unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten gearbeitet. Das Feedback war bisher sehr positiv.

Wie hat sich die Kunstlandschaft in den letzten Jahren verändert, wenn es um gesellschaftlich relevante Fragen wie Energiewende und Klimawandel geht?
Bemerken sie da eine neue Bewegung? Absolut! Als wir 2009 mit ARTPORT bei der Klimakonferenz in Kopenhagen mit einer Ausstellung an die Weltöffentlichkeit gegangen sind, war dieses Thema noch ein Novum in der Kunst. Seitdem hat sich wahnsinnig viel getan. Neben vielen jungen Kreativen sind auch berühmte Künstler aktiv: etwa der Isländer Olafur Eliasson mit seinen „Little Suns“ oder Barthélémy Toguo in Kamerun mit Bandjoun Station…

…einem Kunstzentrum, das sich mit Umweltfragen und sozialen Projekten beschäftigt und sich dabei vorwiegend an die einheimische Jugend richtet…
…genau. Aber nicht nur Künstler, auch Kuratoren, Sammler und Museen zeigen zusehends Engagement. Ich hoffe inständig, dass es ist nicht nur eine Modewelle ist, sondern so bleibt.

Anne-Marie-MELSTER

Dieses besondere Profil passt ja auch gut zur innogy Stiftung – wie haben Sie einander gefunden?

Wie das so häufig ist: Man lernt sich über Beziehungen in der Kunstszene kennen. So entstand ein reger Kontakt mit Daniela Berglehn von der innogy Stiftung – und irgendwann kam das Angebot, zur Jury des VISIT-Wettbewerbs zu stoßen. Als ein Mitglied, das von außen kommt und seine eigene Non-Profit-Organisation gegründet hat, passe ich tatsächlich gut in das Jury-Team, finde ich.

Was gefällt Ihnen an der Arbeit in der VISIT-Jury?
Wir kommen alle aus verschiedenen Bereichen, reisen viel, kennen uns aus der internationalen Kunstwelt und haben unterschiedliche Herangehensweisen und Meinungen – der Austausch ist daher für mich sehr interessant. Aber auch die Reichhaltigkeit der Projektvorschläge macht es spannend. Ich habe durch die Bewerber viel gelernt und neue Talente entdeckt. Es ist grundsätzlich wichtig, dass ein großes Unternehmen junge Künstler unterstützt. Denn kein Land ist wirklich stark, wenn deren Kinder nicht mit Kultur und sozialem Engagement aufwachsen.

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Kategorien: Kultur
Schlagwörter: Kunst, VISIT, Visit-Künstler und VISIT-Stipendium


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