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20. März 2017

Licht-Gestalten 2: „Den Schatten sehen, um das Licht zu feiern“

Das Monopol-Magazin und die innogy Stiftung hatten zum zweiten Teil der Licht-Gestalten Gespräche in die Düsseldorfer Kunsthalle geladen. Moderiert von Monopol-Chefredakteurin Elke Buhr, erörterten Marie-Therès Thiell, innogy-Bereichsvorstand Urban Solutions, Birgit Roth vom Deutschen Institut für Stadtbaukunst an der TU Dortmund, Lichtkünstler Mischa Kuball und Wolfram Putz (Mitgründer der „Graft Gesellschaft von Architekten“), wie sich Digitalisierung und smarte Energie auf das Leben und „Licht in unseren Städten“ auswirken werden.

Wer in diesen Tagen in Düsseldorf öffentlich das Thema Licht erörtert, kommt wohl an der Frage, wie und ob die rund 15.000 landeshauptstädtischen Gaslaternen der Leuchtdiode weichen sollen, nicht vorbei. So dauerte es beim Begrüßungsdrink keine drei Minuten, bis sich innogy-Vorstandsfrau Marie-Therès Thiell und der Düsseldorfer Gaslicht-Aktivist Andreas Meßollen in eine Diskussion über Ausgleich, Erdung und die Geschichte der Energieversorger an Ruhr und Rhein vertieften.

Dabei hätte Andreas Meßollen, volltätowiert, in schwarzem Kilt und barfuß, gut aufs Podium gepasst. Der offizielle Düsseldorfer „Gasketeer“ kapert für seine Kunst auch schon ‚mal komplette Schützenfeste wie das Neusser im vergangenen August oder wirbt an der Seite von Gabriele Henkel für die Düsseldorfer Initiative Pro Gaslicht. Kern seines resoluten Beitrags aus dem Licht-Gestalten-Publikum: „Ersetzt die Gaslaternen nicht durch LED-Technik, sondern macht sie zur einzigartigen Kulisse für Selfie-Fotografen aus aller Welt“.

Lichtgestalten-Gesprächsrunde 02 in Düsseldorf: Licht in unseren Städten

Publikum und Panel beim zweiten Licht-Gestalten-Gespräch in der Kunsthalle Düsseldorf

In der Tat sind einige der besagten Düsseldorfer Gründerzeit- und Gaslichtviertel für die Dortmunder Stadtbaukunstdozentin Birgit Roth leuchtende Vorbilder für eine funktionierende Quartiersentwicklung, mithin mustergültig für das Forschungsprojekt „Stadtquartier 2020“. „Nicht wegen des Stucks und der Gesimse“, so Roth, sondern weil diese gewachsenen Viertel, sofern sie bezahlbar blieben, eine beispielhaft gute soziale Mischung aus arm und reich, Arbeiten und Wohnen bieten.

Während Birgit Roth sich im aktuellen Licht-Gestalten-Diskurs nun nicht direkt für Straßenlicht begeistern ließ, das von der Bewegung durch Passanten geschaltet wird, gehört das Vordenken solcher Technologie praktisch zu den Kernthemen von Marie-Therès Thiell. „Wir bieten Lösungen“, so die innogy-Managerin, „für Städte, Unternehmen und private Kunden im Stadtraum.“ Von Licht-Gestalten-Moderatorin Elke Buhr auf „rund eineinhalb Millionen Straßenlampen unter innogy-Ägide“ angesprochen, beschrieb sie den sensiblen Service ihres Unternehmens, „bei der Stadtmöblierung die unternehmerische Balance zwischen Energieeinsparung und Performance, zwischen Überwachung und Sicherheit zu finden. „Digitalisierung ist kein Selbstzweck“, sagt Marie-Therès Thiell: „Was ist schlecht, wenn die junge Mutter auf dem Spielplatz mit dem Laptop auf dem Schoß das WLAN aus der Laterne nutzt und außerdem einen Sicherheitsknopf in ihrer Nähe weiß?“

 

„Wir wollen den Städten kein Richtig-Falsch-Regelmodell überstülpen“

Wolfram Putz von der Berliner „Graft Gesellschaft von Architekten“ sagte: „Wir wollen den Städten kein Richtig-Falsch-Regelmodell überstülpen und wollen keine Architektur-Pegida, die postuliert, dass früher alles besser war. Wir entwerfen heute keine epochale Architekturidee, sondern wir entwerfen Verhalten.“ Es komme auch darauf an, die Eigentumsquote in den Städten drastisch zu erhöhen: „Damit wir uns die Stadt zu eigen machen, statt sie einzelnen großen Besitzern zu überlassen.“ Eigentum schaffe Identifikation und Identifikation Partizipation. „Digitalisierung ist in diesem Prozess ein Werkzeugkasten“, sagt der Berliner Architekt.

Und was sagte Mischa Kuball zum „Licht in unseren Städten“ auf die Frage von Marie-Therès Thiell, welche Rolle die Lichtkunst in diesem Diskurs spielt? Zitiert sei Folgendes: „Wir haben mit der Reklamebeleuchtung ein großes Spektrum an wirtschaftlicher Leuchtkraft in die Städte gebracht. Überall Botschaften, zwischen denen künstlerische Fragen und Positionen kaum mehr Platz finden.“ 2014 habe er mit seiner Installation „white space – kritisches Denken braucht Zeit“ beim Lichtfest Leipzig an die friedliche Revolution von 1989 erinnert, so der Düsseldorfer Lichtkünstler und Dozent der Kölner Kunsthochschule für Medien (KHM) weiter. Am meisten faszinierte ihn damals, dass die Stadt Leipzig es geschafft hatte, an diesem Tag alle Werbeleuchten auszuschalten. „Das erzeugte eine botschaftsfreie Dunkelheit, die den Raum für künstlerische Interventionen erst öffnete. Man muss den Schatten sehen, um das Licht feiern zu können.“

Zudem bleibt es spannend, zu erleben, wie sich in der innogy Stiftungsgeometrie die Kreise schließen. Auch aus dem sehr aufmerksamen Düsseldorfer Publikum kamen in der Kunsthalle Fragen nach Lichtplänen für Städte und Gemeinden, nach Lichtverschmutzung durch „viel zu oft viel zu hohe LED-Leuchtstärken“ und „Nachtverlust“. Die hätte Dennis Köhler vom Lichtforum NRW gut und klar beantworten können, über dessen förderungswürdige „Gespräche zur Lichtkultur“ wir ja auch in diesem Tagebuch regelmäßig berichten.

Der dritte Teil der Licht-Gestalten Gespräche folgt in Unna am  21. April 2017 kurz vor der Verleihung des „International Light Art Award“ (ILAA) im Zentrum für Internationale Lichtkunst.

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Kategorien: Bildung und Kultur
Schlagwörter: Digitalisierung, Düsseldorf, kulturelle Bildung, Kunst, Licht, und Lichtkunst


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