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Beitrag: Stimmen zur Verkehrswende: „Mobilität muss völlig neu gedacht werden“

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6. März 2017

Stimmen zur Verkehrswende: „Mobilität muss völlig neu gedacht werden“

Wie angekündigt kommen wir noch einmal zurück auf unsere Akademie für Energie & Akzeptanz im Wittenberg Zentrum für Globale Ethik und in Berlin. Wenn es die folgenden Beiträge auch nicht auf Anhieb in den Zitatenschatz der Elektromobilitäts-Geschichte schaffen, bieten sie doch einen guten Blick auf den Weg zur Verkehrswende als Gemeinschaftswerk, dem großen Thema der vergangenen Akademie-Woche.

Gregor Kolbe vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv):

„Nach der Statistik des Verbandes der deutschen Verkehrsunternehmen werden jedes Jahr ungefähr sechs Milliarden Fahrten im Personenverkehr elektromobil unternommen. Mit der U-Bahn, S-Bahn, Straßenbahn, was es so alles gibt. Zum Vergleich: Es wurden im vergangenen Jahr ungefähr 11.400 Batteriefahrzeuge verkauft. Wir würden uns wünschen, dass bei der Diskussion über Elektromobilität der Fokus nicht nur aufs Auto gelegt wird.“

Christian Uhlich (innogy-Projektmanager E-Mobilität):

„Das Thema Sharing ist für Elektroautos sehr relevant. Frau Merkel sprach von einer Million Elektroautos im Jahr 2020. Wir haben jetzt ungefähr 50.000, aber wir werden diese Million sehen, es wird nur ein wenig länger dauern.“

„Da wo jetzt noch die Zapfsäule steht, steht demnächst ein dicker Charger, ein High Power-Lader, der wirklich‚ ‘was kann, wo die Ladung für 300 Kilometer Reichweite fünf, sechs Minuten dauern wird.“

Jens Hilgenberg (BUND):

„Die aktuelle Dieselproblematik bietet eine Riesenchance, E-Mobilität nach vorne zu bekommen. Es wird zu Fahrverboten kommen. Wir brauchen eine Mobilitätswende.“

„Mobilität immer sofort mit Autoverkehr gleichzusetzen, ist eine typische deutsche Sichtweise. Da gibt es diesen Spruch, der deutsche Kunde kauft ein Auto, das er nicht braucht, mit Geld, das er nicht hat, um Leuten zu imponieren, die er nicht mag. Das ist in anderen Ländern anders. In den letzten Jahren ist der Neuwagen immer größer, schwerer und leistungsstärker geworden. Und nur auf dem Papier ökologischer und sparsamer.“

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Christian Hochfeld (Geschäftsführer der „Agora Verkehrswende“):

„Bei der Arbeit zum Thema Umweltschutz und Verkehr hat uns ein Zitat von Woody Allen stets begleitet, der sagte: ‚Confidence is what You have before You understand the problem‘. Was bedeutet, dass mangelndes Vertrauen in das Gelingen der Verkehrswende der Sache geschuldet ist, dass wir das Problem noch nicht richtig verstanden haben. Mit Problem ist allerdings nicht gemeint, dass wir die Verkehrswende der Verkehrswende zuliebe machen, sondern dass uns der global vereinbarte Klimaschutz die Aufgabe stellt, Wirtschaft und Gesellschaft bis zur Mitte dieses Jahrhunderts klimaneutral zu gestalten. Es gibt immer noch viele, die gehen gerne an Bord der Arche, würden aber immer noch darüber diskutieren wollen, wohin wir fahren. Mein Rat wäre, richten Sie sich darauf ein, dass das Ziel der Arche feststeht und wir lediglich über den Weg dorthin diskutieren können . . . Ich hoffe, dass wir am Ende sagen ‚Confidence is what we have because we understand the problem.‘“

 

 

 

Moderatorin Ursula Weidenfeld (in ihrer Rolle als Vertreterin der Bundesregierung bei der Einführung in den Stakeholder-Dialog  über die „Verkehrswende als Gemeinschaftswerk“): 

„Obwohl wir uns mit der Förderung der Elektromobilität festgelegt haben, ist ihr Verhalten – mit Verlaub – enttäuschend. Machen Sie sich keine Hoffnungen auf die Bundestagswahl. Jede kommende Regierung wird Sie mit einer Regulatorik überziehen, die Ihren Handlungsspielraum dramatisch einengt.“

Jurymitglied Weert Canzler (Sozialwissenschaftler und Mobilitätsforscher am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung):

„Ich hätte mir mehr Ausblicke auf die positiven Chancen der Dekarbonisierung erwartet und nicht nur die abstrakte Forderung nach Klimaschutz. Zudem habe ich Themen vermisst wie die Einführung von Elektrofahrzeugen in Flotten, was wesentlich einfacher ist als in Privathaushalten. Die Chancen der digitalen Verknüpfung haben mir gefehlt und das Thema Exnovation. Brauchen wir nicht klare Ausstiegspläne aus der Kohleverstromung und was passiert mit den Arbeitsplätzen, wenn keine Verbrennungsmotoren mehr zugelassen werden?“

Jurymitglied Stephan Muschick, Geschäftsführer der innogy Stiftung:

„Wenn Weert Canzler eine gewisse Radikalität im Rollenspiel vermisst hat, schließe ich mich dem an. Allerdings zeigt die aktuelle gesellschaftliche Diskussion auch, dass Radikalität Menschen überfordern kann. Die Frage ist doch, wie kriegen wir das auch sozial nachhaltig hin? Wie kriegen wir hin, dass die Menschen sich mündig fühlen, mitmachen und dass es unterm Strich für Klima und Wirtschaft erfolgreich läuft.“

Stimmen aus dem Kreis der Teilnehmer (gesammelt von WZGE-Projektleiterin Henrike Heierberg während der Akademie-Woche):

„Elektromobilität ist für mich ein wesentlicher Bestandteil des gesamten zukünftigen Verkehrssektors, allerdings nicht die eierlegende Wollmilchsau zur Realisierung der Energiewende.“

„Elektromobilität leistet für mich einen wesentlichen Beitrag zur Energiewende für einem nachhaltigen Umgang mit unserer Welt.“

“Elektromobilität ist für mich ein fester Bestandteil des zukünftigen europäischen Mobilitätssektors, wenn auch nicht die Lösung für alle Herausforderungen, die mit der Transformation desgleichen im Rahmen der Energiewende einhergehen. Stattdessen liefert für mich gerade die Kombination von verschiedenen Technologien – abgestimmt auf diverse Verbraucherbedürfnisse und Standortfaktoren – sowie die Nutzung von entstehenden Synergien hier die größten Potentiale.“

„Elektromobilität ist für mich ein Thema mit vielen Fragezeichen aus technischer, wie auch sozialwissenschaftlicher Sicht. Deshalb freue ich mich bei der Akademie dabei zu sein.“

„Elektromobilität ist für mich ein wichtiger Schritt auf dem Weg in eine dekarbonisierte und ressourceneffiziente Zukunft der Mobilität. Dies jedoch nur dann, wenn Mobilität in dem Prozess völlig neu gedacht wird, anstatt in überkommenen Strukturen zu verharren.“

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Kategorien: Bildung und Soziale Innovation
Schlagwörter: Akademie für Energie & Akzeptenz und WZGE


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Eine Reaktion

  • Generelle Verkehrswende – ja unbedingt und mit aller Konsequenz!
    Na wunderbar, da haben die hochkarätigen forschen Forscher der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina etwas ganz Besonderes eruiert und herauskristallisiert: Sie fordern eine konsequente und generelle Verkehrswende! Dazu hätte das Verkehrsministerium unter der Ägide von Andreas Scheuer die Studie zu den Umweltbelastungen durch NOx, CO2 und Fernstaub nicht anfertigten lassen. Diese Forderung ist trivial und evident und wird bereits seit langem von vielen Umweltaktivisten und von bereiten Teilen der Bevölkerung erhoben und konsequent vertreten! Natürlich ist es richtig, dass neben NO2 auch Feinstaub und CO2 die Umwelt und damit den Menschen gesundheitlich belasten. Aber NO2 ist beispielsweise vergleichsweise ca. um das 300-Fache toxischer als CO2, wenn man die Grenzwerte (sogenannte MAK-Werte) am Arbeitsplatz von 2000 einmal miteinander vergleicht. Daher ist von der Wichtung her NO2 die größere und primäre Aufmerksamkeit entgegenzubringen! Und das aus den Dreckschleudern neben den diversen Abgasen auch Feinstaub (sogenannte Verbrennungsrückstände) mit einem hohen gesundheitlichen Schädigungspotenzial emittiert wird, ist ebenfalls evident, ja trivial. Da üben die Partikel von einer Größe unter 2,5 µm eine besondere toxische Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System und das Zentralnervensystem aus! Und die Fahrverbote bei eklatanter Überschreitung der Grenzwerte von 40 µg/m³ (bzw. nunmehr 50 µg/m³) als kurzfristen Aktionismus zu verunglimpfen, schlägt dem Fass den Boden aus! Nach dieser Diktion sollen also die Menschen in den Städten an den etwaig präsenten extremen Abgasbelastungen zugrunde gehen – oder wie ist dies zu verstehen? Natürlich sollten und müssen langfristige Maßnahmen mit neuen revolutionären Technologien (z.B. Fahrzeuge mit E- und H2-Antrieben) und neuartigen Verkehrskonzepten (z.B. Umleitung des Verkehrs, Installation öffentlicher Verkehrsmittel,…) alsbald zum Einsatz gelangen bzw. umgesetzt werden. Natürlich muss man sich auf Stickstoffoxide konzentrieren und dies mit aller Konsequenz, weil sie eben so extrem toxisch sind! Und: „Der Straßenverkehr ist nur eine Quelle der Luftschadstoffe“, wie man weiter von den forschen Wissenschaftlern klug und weise formuliert, erfährt (….). Der „Hammer“ ist aber, dass man angeblich keine Grenzwerte im Sinne von Schwellenwerte für die diversen Abgase festlegen könne, wie man von den Wissenschaftlern erfährt. Wie ist es dann zu erklären, dass Grenzwerte bei den physikalischen und chemischen Umweltfaktoren am Arbeitsplatz fixiert wurden? Und die Verschärfung, beispielsweise von Grenzwerten für Feinstaub wird flugs wieder an die Politik delegiert. Da dreht sich alles im Kreis! Wozu fungierte die Anfertigung dieser Studie dann? Die hätte man sich auch sparen können, weil vieles bereits bekannt, evident, ja trivial ist und einige genannte Fakten sind sogar nicht ganz korrekt.
    Siegfried Marquardt, Königs Wusterhausen