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10. November 2016

Peter Brdenk und die Lichtkunst in Essen: Weniger ist „MEER . . .“

„Schwarze Meer“, dazu wird auch vielen Essenern die Türkei einfallen, die Ukraine und dass ein „s“ fehlt. Dabei ist das der Name einer vielbefahrenen, aber engen, eher dunklen Gasse zwischen Lichtburg und Hauptbahnhof mitten im Zentrum der Stadt, in der wenig von vorderasiatischer Weite zu spüren ist. 2002 hat der Essener Architekt Peter Brdenk mit Jürgen LIT Fischer dort ein Kunstwerk gegen die Düsternis gesetzt, das zu den pointiertesten der Stadt zählt: „MeerLicht“.

 

Peter Brdenk war es auch, der damals dem Energieversoger RWE – heute innogy – empfahl, mit dem neuen Kundencenter im eigenen Gebäude an der Einfahrt in die kleine Straße Schwarze Meer zu bleiben und nicht auf die Kettwiger Straße umzuziehen. Wohl wissend, dass die geplante neue VHS einen Eingang auf der anderen Straßenseite haben würde. Wohl wissend aber auch, dass die Umspanntrafos im Haus die 35 Meter lange Lichtkunst-Wand bis heute und künftig unverbaubar machen würden.

Mit der Restaurierung von „MeerLicht“ hat die innogy Stiftung das Kunstwerk nun aus seiner langen Vergessenheit befreit und dem Architekten und Lichtkünstler Peter Brdenk einmal mehr das Wort erteilt. Peter Brdenk gilt als einer der profiliertesten Akteure und Kenner der Lichtkunstszene des Ruhrgebiets, berät Essen seit 2001 als Lichtkoordinator, war Jurymitglied des „International City People Light Award“ in Köln und Venedig. Er hat das „Forum für Kunst und Architektur“ in der Essener Nord City gegründet und verantwortet als Mitherausgeber die Standardwerke „ARCHITEKTUR IN ESSEN 1960-2013“ und „LICHT.STADT.ESSEN“.

„Licht und insbesondere Lichtkunst in der Stadt braucht immer ein Konzept“

„Wir waren ein unzertrennliches Duo“, beschreibt der Peter Brdenk seine Jahre mit Jürgen LIT Fischer: „Wir haben in den 13 Jahren von 1992 bis 2005 geradezu kongenial zusammengearbeitet und bundesweit Lichtinstallationen gemacht.“ „MeerLicht“ war Peter Brdenks und Jürgen Fischers Beitrag zur künstlerischen Baukunst-Ausstellung zum Essener Jubiläum „1150 Jahre Stift und Stadt“ in 2002. Während die Arbeit den Übergang zwischen Wort- und Lichtspiel eher zurückgenommen pointiert, konnten Peter Brdenk und LIT Fischer auch größer. Beispiele hierfür sind in Essen u. a. die grünen Schornsteine des Steag-Kraftwerks am nördlichen Rand der Innenstadt („Licht ja! 2002“) , die stark blau-weiße Unterführung des Hauptbahnhofs, in Bochum drei der insgesamt sechzehn „KunstLichtTore“, sowie die Lichtskulptur „Fraktal“ an der Spitze des Bottroper „Tetraeders“.

Den Vortrag in der VHS über seine vergangenen 24 Jahre Lichtkunst nutzte Peter Brdenk auch, um seinen gestalterischen Ansatz zu erläutern. Auch mit kritischem Blick auf das erstmals in Essen veranstaltete „Light Festival“ mit viel Beamern und Farbwechseln auf Innenstadtfassaden und Baustellen sagt er: „Das ist alles sehr laut, doch ohne Inhalt. Leises wird nicht mehr wahrgenommen. Bestimmt können die Lichtwochen eine Art Erneuerung vertragen, aber das wahllose Anstrahlen zu lauter Musik ist nichts Halbes und nichts Ganzes.“

Der Lichtkünstler will sich weiter dafür stark machen, dass nicht „die, die am lautesten schreien, die besten Positionen bekommen“. Licht und insbesondere Lichtkunst in der Stadt brauche immer ein Konzept. Weniger ist „Meer . . .“, wenn man so will. Diesem Ziel ist der Essener Lichtkoordinator mit der Restaurierung seiner großen Arbeit in der kleinen Straße Schwarze Meer ein gutes Stück näher gekommen.

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Kategorien: Kultur und Soziale Innovation
Schlagwörter: Essen und Lichtkunst


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