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23. September 2016

Rückschau auf François Morellet und die Kunst des lichtgewordenen Zufalls

Vor einem Jahr hat der Direktor des Zentrums für Internationale Lichtkunst, John Jaspers mit François Morellet die Retrospektive zu dessen 90. Geburtstag geplant. Am 11. Mai ist der einflussreiche Lichtkünstler aus dem französischen Cholet im Département Maine-et-Loire – wenige Tage nach seinem Neunzigsten – verstorben. Das Ausstellungsprojekt stand kurz auf der Kippe.

Gute Pointen sind wie Geistesblitze: Kurz, klar, kraftvoll. Das einzelne Wort, der knappe Satz beschäftigt uns oft mehr als seitenlanges Fabulieren. Um seinen Raum in den Gär- und Kühlkellern der ehemalige Lindenbrauerei, „No End Neon [Pier and Ocean]“ in die ozeanische Unendlichkeit zu erweitern, reichten François Morellet 2001 eine Lichtschranke und 20 blaue Neonröhren. Für seine auf knappe Linien reduzierten „Gestikulationen“ noch weit weniger. Die Nummern „1“, „2“ und „3“ schmiegen sich in der aktuellen Ausstellung als große Kunst des lichtgewordenen Zufalls derart elegant auf rau verwitterte Wände, dass es vor Spannung nicht nur in den Trafos knistert.

Oft werden Neons in musealen Räumen vor weißen Wänden präsentiert. Im Sonderausstellungsgewölbe wirken zwei blaue Halbkreise Morellets so, wie sie heißen: „cercle á demi libéré“. Befreit! Überhaupt: Es ist erstaunlich, wie intensiv und selbstverständlich die Arbeiten Morellets mit den Räumen in Unna zusammenwirken. Als würden die Gewölbe gerade auf diese knappe Kunst warten. Wie die tragisch weiß gekreuzten Neons auf einem tiefschwarzen Quadratmeter Schwarz: „Mal barré après réflexion n°5“.

Reportage: Sonderausstellung „Morellet“ im Zentrum für Internationale Lichtkunst in Unna

In dem feinen, von Raw Color in Eindhoven gestalteten, Katalog wird François Morellet von zwei Lichtkunstkollegen gewürdigt: Jan van Munster schreibt: „ . . . Ich bewunderte seine Kreativität. Er war vor allem ein liebenswerter und geistreicher Mann . . . “ Keith Sonnier, der den „Tunnel of Tears“ für Unna geschaffen hat, gratulierte zum 90. Geburtstag: „Ich bin wirklich beeindruckt von einer solchen Fülle von Werken, und dann auch noch aus Neon . . . Dein Ansatz beinhaltete die Untersuchung von weißen, hauptsächlich geraden Linien in diesem Medium aus eingeschlossenem Gas. Meiner lag in Richtung der Wellenform und der Verwendung von Farbe als Medium. Wir beide wählten unterschiedliche Richtungen. Wir tanzten einen Tanz mit der Erforschung unserer jeweiligen Werke.“

„Morellet“ ist die erste große Ausstellung nach dem Tod des großen Pioniers der knappen Form, die er aber noch selber kuratiert hat. John Jaspers: „François Morellets Tod hat seine Familie und die langjährigen Teammitglieder Philippe und Emmanuel zusammengeschweißt. Sie werden viele, viele Ausstellungen machen in den kommenden Jahren.“ Lichtkunstdirektor Jaspers freut sich überdies auf eine große, wie er sagt „internationale“ Eröffnung. Zahlreiche Museumsdirektoren aus ganz Europa haben sich angesagt.

Das nächste große Lichtkunstereignis folgt dann im April 2017, wenn die Gewinner des zweiten, von der innogy Stiftung geförderten, INTERNATIONAL LIGHT ART AWARD (ILAA)in Unna ausgezeichnet werden. Rund 300 Einreichungen aus der ganzen Welt sind eingegangen. Die Jury wird sich erstmals im kommenden Monat treffen. Den Vorsitz hat Keith Sonnier übernommen.

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Kategorien: Kultur und Soziale Innovation
Schlagwörter: Lichtkunst und Zentrum für internationale Lichtkunst


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