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4. März 2016

Der 4. Energie-Akademie-Kompromiss: Wenn weniger „Smart“ mehr ist

Das größte Lob des Tages für den von der RWE Stiftung geförderten Stakeholder-Dialog der 4. Akademie für Energie & Akzeptanz in Berlin kam aus dem Publikum. „Kompliment zu diesem großartigen Format“, kommentierte ein Bitkom-Mitarbeiter den Austausch der 19 studentischen Akteure zum „Big Data“-Konflikt bei der geplanten Einführung smarter Stromzähler („Meter“) für alle Verbraucher. Solch kompetente und zielorientierte Kompromissfindung sei geradezu vorbildlich: „Das ist im richtigen Leben sehr viel schwieriger.“

 

Drei Tage hatten sich die studierenden Gäste des veranstaltenden Wittenberg Zentrums für Globale Ethik in der Lutherstadt auf ihre Stakeholder-Simulation vorbereitet. Am Mittwoch mit den Experten Carla Groß (Verbraucherzentrale Sachsen e.V.), Florian Till vom „Innovation Hub“ der RWE AG, Alexander Dix (Europäische Akademie für Informationsfreiheit und Datenschutz) und Jan Saussenthaler, der bei Siemens für Smart Grid- und Smart Meter-Projekte zuständig ist. Alle vier betonten in ihren Impulsen den potenziellen Nutzen der intelligenten Verbrauchserfassung zur Steigerung von Effizienz und Sicherheit der Energieversorgung.

Verbraucherschützerin Groß und der ehemalige Berliner Datenschutzbeauftragte Dix warnten jedoch auch vor den Risiken einer uneingeschränkten Weitergabe hochaufgelöster, persönlicher Informationen zum Stromverbrauchs, für die sich nicht nur Versicherungen und Krankenkassen interessieren könnten. Der Netzwerk-Spezialist Saussenthaler mahnte einen verbindlichen rechtlichen Rahmen für die Verbrauchsdatenverarbeitung an, betonte aber auch, dass unter Umständen für deren Auswertung auch aggregierte, also anonymisiert in Quartieren zusammengefasste Daten ausreichten.

Florian Till vom neuen RWE Innnovation Hub schließlich sieht die Verbraucher im Mittelpunkt aller künftigen Strategien seines Unternehmens: „Innovationen lassen sich erfolgreich nur gemeinsam mit den Kunden umsetzen und nicht gegen sie.“

„Innovationen lassen sich erfolgreich nur gemeinsam mit den Verbrauchern umsetzen“

Den vier Teams „Verbraucherschutz“, „Energieversorger“, „Datenschützer“ und „Vertreter der Digitalen Wirtschaft“ gelang es dann sehr fein, sämtliche Expertisen vom Vortag in die Verhandlungen einfließen zu lassen. Wobei Moderatorin Ursula Weidenfeld in der Rolle einer ungeduldigen Bundesregierung einmal mehr für den nötigen Nachdruck sorgte. Wenn es nach den Stakeholdern der WZGE-Akademie ginge, dann wäre weniger „Smart“ zunächst mehr. Smart Meter würden zwar flächendeckend verpflichtend, doch nur dann auf umfassende Datenweitergabe geschaltet, wenn die Verbraucher sich dazu – warum nicht durch dementsprechende Tarife? – überzeugen ließen.

Am Ende der Stakeholder-Simulation in der Hörsaal-Ruine auf dem Campus Charité Mitte erklärte die Jury die Akteure der „Digitalen Wirtschaft“ zum Gewinner des knapp dreistündigen Big Data-Diskurses: Jury-Sprecher Prof. Andreas Suchanek lobte Teamgeist und Selbstbewusstsein der Gruppe: „Sie haben sehr stark lösungsorientiert gearbeitet, ohne die eigenen Interessen aus dem Auge zu verlieren.“

„Es geht darum, Konfrontationslinien – etwa zwischen Datenschutz und Innovationsfähigkeit – zu überwinden.“

Allerdings, so fügte der Wirtschaftsethiker in Richtung der „Energiewirtschaft“ hinzu, habe er Strategien und Argumente vermisst, mit denen sich mehr Vertrauen zwischen Unternehmen und Kunden herstellen ließe. Prof. Suchanek: „Da kann man präziser werden und fragen, worin das Vertrauensproblem im Umgang mit den Daten besteht. Warum nicht den Datenschutz aktiv in entsprechende Angebote einbetten?“

Für Martin von Broock, den Vorstandsvorsitzenden des Wittenberg Zentrums für Globale Ethik, geht es in den von der RWE Stiftung geförderten Energie-Akademien um das Gelingen der „Energiewende als Gemeinschaftswerk“: „Die Simulation hat einmal mehr gezeigt, dass erfolgreiche Dialoge ethische Kompetenz voraussetzen. Es geht darum, Konfrontationslinien – etwa zwischen Datenschutz und Innovationsfähigkeit – zu überwinden. Die Studierenden haben gezeigt, wie dies gelingen kann.“

Als visueller Nachtisch hier nun noch unsere besten Bilder vom Expertentag:

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Kategorien: Allgemein
Schlagwörter: Akademie für Energie & Akzeptenz, Big Data, Wittenberg Zentrum für Globale Ethik und WZGE


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