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23. Oktober 2015

Woher nehmen Sie die Energie, Heinz Mack?

Das klang ja beinahe wie unser Energie-Fragebogen, als MKM-Direktor Walter Smerling sein Pressegespräch mit Heinz Mack eröffnete. Das Duisburger Museum Küppersmühle widmet dem Bildhauer, Lichtkünstler und ZERO-Gründer eine äußerst sehenswerte Solo-Ausstellung mit ungezeigten Arbeiten. Eine gute Stunde sprach der Mittachtziger Mack derart spannend über sich, die Kunst und den ZERO-Aufbruch, dass wir für dieses Internet-Tagebuch Notizen gemacht haben. Denn von Auf- und Umbrüchen wird an dieser Stelle immer wieder die Rede sein.

 

Heinz Mack über Energie:

„Darauf habe ich keine konkrete Antwort, vielleicht sollte ich aber das abendliche Glas Rotwein erwähnen. Ein Großteil meiner Künstlerfreunde – ich denke an die ZERO-Zeit – lebt nicht mehr. Und allein die Tatsache, dass ich noch da bin, baut mich auf, so dass ich meiner Arbeit nachgehen kann. So intensiv wie möglich! Ich bin so gesund und muss keine Pausen machen. Ich war gerader vier Wochen in Ibiza und habe dort ungestört sechs, mitunter sieben Stunden am Tag gearbeitet. Von niemandem gestört, ohne Telefon. Ich besitze kein Handy. So kann ich ein wenig außerhalb der Welt in aller Ruhe meiner Arbeit nachgehen.

. . . über das Licht:

„Ich habe das Glück, zuweilen auf Ibiza zu leben und zu arbeiten. Dort gibt es das beste Licht der Welt und das Licht ist nicht nur für die Augen gedacht, sondern auch für unseren Geist. Mit anderen Worten: In klaren Lichtverhältnissen lernt man auch, klar zu denken. Und in Germanischen Regionen, wo manchmal sehr viel Dämmerlicht herrscht, kommen Mythen auf. Diese Mythen sehe ich allerdings etwas positiver, so habe ich Apollo gern als Gast in meinem Atelier.

. . . über die Skulptur:

„Es macht mich sehr froh, dass ich hier Skulpturen zeigen kann. Es gibt überhaupt kein Land auf der Welt mit so vielen Museen mit moderner Kunst wie Deutschland. Aber es gibt nur drei Museen, die schlafen seit Jahrzehnten einen tiefen Winterschlaf, und diese drei Museen sind ausschließlich der Skulptur gewidmet. Eins davon steht in Duisburg und trägt einen Namen, der verpflichtet. Nun hat es sicher viele Gründe, warum Skulpturen so selten ausgestellt werden und ich freue mich besonders, dass sich dieses Haus sofort bereit erklärt hat, ohne zu diskutieren, meinen Skulpturen eine Chance zu geben, zumal diese Arbeiten noch nie zuvor ausgestellt worden sind, auch nicht in Galerien.

. . . über ZERO:

„Das bürgerliche Wohlbefinden nach dem ersten Wirtschaftswunder in den fünfziger Jahren war uns sehr suspekt. Um uns herum war ein kulturelles und intellektuelles Vakuum. 1955 gab es in der Bibliothek der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf nur drei Bücher über moderne Kunst. Es gab nichts und alles war offen. Wir sagten uns, wenn Deutschland wieder eine kulturelle Gestalt bekommen sollte, muss etwas geschehen, was über alles Bisherige hinausgeht.

. . . über die Zusammenarbeit mit Otto Piene:

Wir waren Einzelgänger, isoliert und vereinsamt. Da war es faszinierend, einem Menschen in ähnlicher Lage zu begegnen, der Experimente machte, Entdeckungen machte mit all der Unsicherheit, ob das auf die Dauer trägt, ob das gut ist oder nicht. Diese Begegnung hat uns sehr motiviert, hat uns lebendig gemacht. Ich habe mich leidenschaftlich für Uecker eingesetzt. Und Uecker hat sich leidenschaftlich für mich eingesetzt. Und der Piene sich dann für die beiden anderen. Schließlich entdeckten wir, dass woanders in der Welt, in Mailand, in Amsterdam Künstler in ganz ähnlicher Situation lebten und arbeiteten, die ihre eigenen Wege gingen, die aber seltsam thematisch miteinander verbunden waren.

. . . über den Erfolg:

„Die New Yorker ZERO-Ausstellung war die erfolgreichste mit 265.000 Besuchern. Das ist doch hocherfreulich und davon haben wir damals, als wir in einem Hinterhof in Düsseldorf ganz alleine unter fast unsozialen Verhältnissen gearbeitet haben, nicht träumen können.“

. . . über die Schönheit:

„Auch wenn der Umgang mit dem Begriff Schönheit heute schon fast ein Tabu ist, ich sehe keinen Anlass, die Schönheit zu leugnen. Und wenn ich mich dafür einsetze, der Schönheit zur Geltung zu verhelfen, dann ist das auch mein persönlicher Versuch, mich nicht vom Elend der Welt korrumpieren zu lassen.“

Die Amsterdamer ZERO-Ausstellung „LET US EXPLORE THE STARS“ läuft noch bis zum 8. November 2015 – sie ist die letzte Station der ZERO-Retrospektive, die von New York über Berlin reiste und dort auch durch ein Symposium der RWE Stiftung begleitet wurde. Im MKM im Duisburger Innenhafen wird „ Mack. Apollo in meinem Atelier “ bis zum 31. Januar 2016 zu sehen sein.

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Kategorien: Kultur
Schlagwörter: Ausstellung, Duisburg, Heinz Mack, und Museum Küppersmühle


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