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30. September 2015

Schöne neue Licht-Kultur: „Wir brauchen einen Masterplan.“

Im 3. Gespräch zur Licht-Kultur beschäftigten sich die Gäste des Lichtforum NRW gestern im Casino des RWE Tower Dortmund mit der Frage nach den Veränderungen im Stadtlicht. Welchen Einfluss hat die LED-Technologie? Wie werden Interessen und Ängste verhandelt und wer bestimmt eigentlich, wann und wie hell es sein soll?

 

Der Tagungsort 21 Etagen über Dortmund hätte kaum besser gewählt sein können. Über dem U geht dramatisch die Sonne unter. Unten wird das Licht eingeschaltet, während die drei Impulsgeber Erhellendes präsentieren. Prof. Dr. Dietrich Henckel vom Institut für Stadt- und Regionalplanung an der TU Berlin hat intensiv zum Thema geforscht und gehört zu denen, die laut und deutlich fordern, das Tag-und-Nacht-Gleichgewicht zu erhalten und die natürliche Dunkelheit nicht einer 24/7-Ökonomie zu opfern. Er fordert analog zum Lärm- den Lichtschutz: „Wir brauchen einen Licht-Masterplan. Alle Licht-Akteure müssen ihre Beleuchtungsziele klar formulieren und abstimmen.“

„Wir müssen Lichtkonflikte erkennen und ernst nehmen“

Die Berliner Sozialforscherin Dr. Nona Schulte-Römer ist tief ins LED-Thema eingestiegen. Für ihre Doktorarbeit hat sie mit Recherchen, Interviews und Reportagen das Lichtregime der Städte Lyon und Berlin verglichen. Während in Berlin die Bewohner wohlhabender Viertel für das Gaslicht kämpfen und in der Hauptstadt gerade mal acht kommunale Mitarbeiter das Licht für rund fünf Millionen Menschen gestalten, sind es in Lyon 100 Mitarbeiter für 500.000 Einwohner. Die Umstellung auf die LED-Technik machte in Lyon kein Problem, weil dort – anders als in Berlin – ein eigenes Stromnetz die qualifizierte Abrechnung auch gedimmter Lichtleistung erlaubt. Auch Schulte-Römer plädiert wie ihr Kollege Henkel für die Partizipation im Umgang mit Problemen mit dem neuen Licht. Auch sie hat festgestellt, dass die Menschen in Neukölln andere Probleme haben als in Charlottenburg und oft gar nicht bemerken, wenn Stadtlicht verändert wird. Aber: „Wir müssen Lichtkonflikte erkennen und ernst nehmen.“

Mit seiner Aus- und Vorschau auf die grenzenlosen technologischen Möglichkeiten neuer Lichttechnologie rundete der Hamburger Lichtplaner Carsten Zieseniß den Kultur-Diskurs über dem abendlichen Dortmund ab. Einfach nur An und Aus war gestern. Unsere Städte sollen smarter werden. Der Rechner fürs computerbetreute autonome Fahren schaltet auch gleich die Straßenbeleuchtung vor dem Fahrzeug heller und dahinter wieder dunkel. Schön aus Fahrersicht. Von außen betrachtet aber bestimmt ein prächtiges Geflimmer.

Nur „An“ und „Aus“ war gestern und warum nicht mal die Burg in Blau?

Oder warum nicht mal die Burg in Blau? Wenn es passt, aus LED-Sicht kein Problem. Umprogrammieren statt umbauen. Carsten Zieseniß  präsentierte als weiteres Beispiel das Kulturzentrum „Mucem“ am Alten Hafen in Marseille. Das war 2013, ebenfalls in Blau, der dortige Kulturhauptstadt-Hingucker und ein gutes Beispiel fürs neue Licht. Die Beleuchtung wird ein Teil des Gebäudes und die Fassade zum Leuchtmittel. Aber ist das wünschenswert?

Die weiteren Fragen der sachverständigen Lichtforisten um Geschäftsführer Dennis Köhler hatten es dann in sich. Ob denn nicht zu bedenken bliebe, dass bei allem Recht auf Dunkelheit und entsprechender Abschaltung nicht die Furcht der Menschen überwiege, den Abendspaziergang im Dunkeln zu verbringen. Und ob denn nicht langfristige Licht-Ausschreibungen der Städte und die damit verbundenen Vertragszwänge ein kurzfristiges Innovationspotenzial geradezu abwürgten.

Lichtkultur-Moderator Köhler blieb am Ende des Abends der Verweis auf die das folgende Gespräche zur Lichtkultur. Die oben angemahnte Partizipation und Mitwirkung an Lichtfragen braucht schließlich Information. Insofern macht das Lichtforum NRW einen guten Job, den die RWE Stiftung weiter fördern und begleiten wird.

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Kategorien: Kultur und Soziale Innovation
Schlagwörter: Dortmund, Kunst, Licht, Lichtkunst, NRW, und Stadterneuerung


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