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23. Januar 2015

ILAA-Preisverleihung: Berlin verneigt sich vor der Lichtkunst

Victoriabar oder Roof Top im 25 Hours Hotel? Als Martin Hesselmeier und Andreas Muxel zehn Minuten nach Mitternacht das Haus der Berliner Festspiele verlassen, haben sie nur noch eine vergleichsweise einfache Frage zu beantworten: die nach der besten Location für den verdienten Absacker.

In den Stunden zuvor sahen sich die zwei Künstler mit komplexen Fragen bestürmt: Was Licht denn nun wiege? Wie das sei, wenn ein Computer die eigene Kunst kontrolliere? Und wie sie überhaupt auf diese Idee gekommen seien?

 

„Diese Idee“ ist ihr Kunstprojekt „the weight of light“, mit dem die Wahl-Kölner am Donnerstagabend den ersten „Internationalen Licht Art Award“ (ILAA) gewonnen haben – wozu sie beim anschließenden Meet&Greet im Festspielhaus Presse und Publikum mit Fragen löcherten. Unsere Stiftung und das Lichtkunstzentrum Unna (ZIL) hatten den ILAA initiiert, passend dazu, dass die UNESCO 2015 als „Jahr des Lichts“ ausgerufen hat.

In Hesselmeier und Muxels Installation „the weight of light“ jagen digital vom PC gesteuerte Lichtimpulse in hängenden LED-Schläuchen durch den Raum, untermalt von mehrkanaligen Klang-Kompositionen. Licht, Ton und Raum verschwimmen. „Am Anfang stand tatsächlich die Frage, was Licht wiegt“, erzählt Muxel. „So sind wir auf das LED-Konzept im Raum gekommen.“ Das Ergebnis hatte die ILAA-Jury überzeugt, so dass sie das Duo unter 29 Bewerbern zum Sieger kürte.

ILAA: an der Schnittstelle von Multimedia, Physik und Architektur

Ihre Arbeit an der Schnittstelle von Multimedia, Physik und Architektur ist ein wunderbarer Beweis, welches Potenzial Lichtkunst besitzt. Richtig installiert und klug vermittelt, wird sie zum Bindeglied zwischen verschiedenen Feldern der Gesellschaft. Oder, wie unser Geschäftsführer Stephan Muschick es sagte: „Lichtkunst ist für uns mehr als Kunst. Sie ist Motor für Innovation und Gestaltung und regt wichtige gesellschaftliche Diskurse an.“

Diesen Anspruch verfolgte – und erfüllte – auch der ILAA-Festakt. Den Auftakt machte eine Diskussionsrunde, die interdisziplinärer kaum hätte sein können. Da saß Kunstprofessor Mischa Kuball neben dem Quantenphysiker Oliver Benson und der Museumsdirektor Gregor Jansen neben der Technik-Historikerin Karin Zachmann. Zu viert debattierten sie über die „Zukunft der Lichtkunst“. Aufklärung, Bauhaus, ZERO, Datenschutzdebatte – schon waren die von Monopol-Chefredakteur Holger Liebs moderierten 60 Minuten vorbei.

Festrede von Peter Sloterdijk – ein philosophischer Parforceritt

Bei der anschließenden Preisverleihung wurde es noch philosophischer: Peter Sloterdijk kitzelte den Intellekt des Publikums in seiner Festrede über „Notizen zum Lob der Sichtbarkeit“. Der Karlsruher Philosoph raste durch die Zeitalter und Wissenschaften, sprang von Aristoteles über Beethoven zu Nietzsche, steuerte von der Biologie („Kein Mensch kann sich dem Verdacht entziehen, er sei eine Art neurologische Glühbirne“) geradewegs auf Umwegen zur Soziologie und streute ein paar Prisen Gesellschaftskritik ein („Die Postmoderne ist von Grund auf Zwielichtzeit“). Interdisziplinär, wie die Lichtkunst selbst!

Diese stand anschließend selbst wieder auf der Bühne, personifiziert von den drei ILAA-Finalisten: Platz drei ging an den Kölner Dirk Vollenbroich für seine Installation „Erleuchtung“, Platz zwei an Ivan Navarro, der erst am Nachmittag aus seiner Heimat Chile angereist war. „Traffic“, sein Mobile aus leuchtenden Ampelanlagen, ist ein weiterer Beweis, wie sehr Lichtkunst Brückenschläge ermöglicht – in diesem Fall von der Politik ausgehend: „Ich bin in Chile in einer Diktatur aufgewaschen“, erzählte Navarro, „und versuche schon seit längerem, den Begriff ‚Power’ auf unterschiedliche Art neu aufzuladen. Lichtkunst ist dafür ein großartiges Vehikel.“

Anschließend applaudierten die 400 Gäste Martin Hesselmeier und Andreas Muxel, die von Stephan Muschick und ZIL-Direktor John Jaspers ihre Urkunden erhielten. Verbunden ist der Preis mit 10.000 Euro Preisgeld.

Zum Ausklang steuerte Georg Krubasik, Präsident der Deutschen Physikalischen Gesellschaft und hierzulande Koordinator des Lichtjahres, noch ein paar Gedanken bei („Licht bringt uns alle zusammen, auch zur Lösung wichtiger gesellschaftlicher Fragen.“) und lobte den ILAA als Vorbild für das UNESCO-Motto: „Wenn wir mehr Erlebnisse wie dieses hier in 2015 haben, dann wird das Jahr des Lichts ein erfolgreiches.“

 

Fotos: Sandra Weller / agentur standart

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Kategorien: Kultur und Soziale Innovation
Schlagwörter: Berlin, ILAA, Stephan Muschick, Unna und Zentrum für internationale Lichtkunst


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