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2. Dezember 2014

VISIT bei alten Hasen und jungen Hühnern

Wenn im Herbst die Neuaufnahmen des Pixelprojekts Ruhrgebiet im Gelsenkirchener Wissenschaftspark vor- und ausgestellt werden, gibt es keine bessere Adresse für zeitgenössische und vor allem junge Fotografie im Land. Am Wochenende präsentierte sich dort erstmals das VISIT-Programm der RWE Stiftung auf der parallel stattfindenden „bild.sprachen“-Messe „surprise me“ mit einem eigenen Stand.

 

Neben VISIT-Klassikern Sebastian Mölleken, Lukas Marxt und Peter Miller zeigten dort auch vier junge Autoren ihre Arbeiten: Caspar Sessler dokumentiert in großformatigen Bildern seiner Reihe „KRAFT / FELDER“ die „fortschreitende Umstellung der Stromproduktion von konventionellen zu erneuerbaren Energien“. Carsten Klein hat sich nachts – und nicht weniger großformatig – im Ruhrgebiet umgesehen und dabei auch die Kokerei Zollverein entdeckt. Susanne Elsässer ist dem Kunstlicht im Ruhrgebiet nachgegangen. Annika Nagel schließlich versucht in ihrer stillen Serie „NICHT HIER, NICHT DORT“ zu belegen, wie die „Parallelwelt Internet“, wie neue Medien „uns unbemerkt unsere Energie rauben“. Und das nicht nur deshalb, „weil jeder Klick auf Google Search so viel Strom verbraucht wie eine herkömmliche Glühbirne in einer Stunde“.

Die „bild.sprachen“-Messen des Pixelprojekt-Initiators Peter Liedtke funktionieren prima als Verstärker für fast alle Strömungen der Gegenwartsfotografie im Ruhrgebiet. Das Format bringt Profis und Amateure, Autoren und Unternehmen, den Nachwuchs und alte Hasen zusammen. Und natürlich die jungen Hühner der Duisburger Architektin und Fotografin Susan Feind, die mit dem Erlös aus dem Verkauf ihrer kraftvollen Fotokunst und der damit verknüpften „Glückseligkeitsanteilsscheine“ Ruhrgebiets-Hühnern ein schönes und angemessenes Leben ermöglicht.

Zwischen unternehmerischer Förderung und künstlerischer Freiheit

Im Zentrum des „bild.sprachen“-Begleitprograms am Samstag moderierte Peter Liedtke dann ein Podiumsgespräch zwischen VISIT-Projektleiterin Daniela Berglehn, Stipendiat Sebastian Mölleken und der freien Bildredakteurin Sabina Paries über die Spannung zwischen unternehmerischer Förderung und künstlerischer Freiheit zeitgenössischer Fotografie.

Während sich die Foto-Sachverständige Sabina Paries noch mit Beispielen beschäftigte, wie Künstler beispielsweise die Honigproduktion für eine Schweizer Supermarktkette (Migros) oder das neue Image eines Staates (Israel) in ungewöhnliche Bilder übersetzen, war Daniela Berglehn bereits in einem ganz anderen Förderungsrahmen. Denn abgesehen von der Energiethema-Vorgabe, steckten und stecken die VISIT-Stipendiaten nie in dem Dilemma, im Sinne eines Unternehmensmarketings Männchen machen zu müssen. Im Gegenteil. Kontroverse künstlerische Positionen sind geradezu erwünscht, seitdem die vom Konzern losgelöste neue Stiftung für Energie & Gesellschaft ihre Kernaufgabe gerade dort sieht, wo die Suche nach neuen Energieerzeugungs- und Verteilformen besonders viel politische und soziale Reibung erzeugt.

Das bestätigte denn auch der erste VISIT-Künstler Sebastian Mölleken in der Diskussion über „Unternehmerische Ziele und gesellschaftlichen Dialog“. Mölleken hatte mit seiner Schoeller-Preis-gekrönten Garzweiler-Dokumentation „Tagebau“ in Konzern und Kunstszene reichlich Staub aufgewirbelt und bestätigte am Samstag in Gelsenkirchen auch für den skeptisch nachfragenden bild.sprachen-Gründer Peter Liedtke, dass er keinerlei inhaltliche Vorgaben zu erfüllen hatte und darüber hinaus ohne die logistische Unterstützung des Unternehmens viele seiner Bilder überhaupt nicht hätte machen können.

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Kategorien: Kultur und Soziale Innovation
Schlagwörter: Gelsenkirchen, Lukas Marxt, Peter Miller, Sebastian Mölleken, VISIT, und Visit-Künstler


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